Die „weltbeste ERP-Lösung“ muss mehr zu bieten haben als regelmäßige Updates

Der Software-Riese Microsoft hat sich schon immer große Ziele gesetzt. Vergangenen November gab es wieder eine klare Ansage: So soll Dynamics 365 Business Central zur „besten ERP-Lösung der Welt“ für KMU werden. Das kündigte Mike Morton, der General Manager für BC, im Rahmen der Directions 2020-Konferenz an.

Eine ERP-Lösung, die die „weltbeste ERP-Lösung“ sein will, muss aber weit mehr zu bieten haben, als nur ständig neue Updates und Funktionen. Auch dass der Hersteller die Preise fair bestimmt und unter Umständen auch mal reduziert, gehört dazu. Wie im aktuellen Fall: Es wurden erneute Änderungen mit Blick auf das Preismodell für große SaaS-Umgebungen angekündigt.

Kontrovers diskutiert: Kosten, die für große SaaS-Umgebungen aktuell anfallen

Aber von Anfang an: Letztes Jahr hatte Microsoft mitgeteilt, dass für Datenbanken in dieser Größenordnung zusätzliche Kosten aufkommen. Aktuell sind ab dem 81. Gigabyte pro Extra-GB und Monat 40 Dollar fällig. Das hat bereits für reichlich hitzige Diskussionen gesorgt. Gerade in den Yammer-Foren wurde in den letzten Monaten viel und heftig über den Preis diskutiert. Das soll sich nun wieder ändern.

In Zukunft sparen Sie deutlich, wenn Sie mehr als 80 GB nutzen – und profitieren von zusätzlichen Kapazitäten pro Nutzer

Gute Nachrichten für alle, die in Business Central große SaaS-Umgebungen nutzen: Auf dem letzten BC Launch Event (#MSDyn365BCLaunchEvent) hat Microsoft ein überarbeitetes Preismodell angekündigt. Demnach wird die Nutzung großer Datenbanken ab dem 01. Juli 2021 deutlich günstiger.

Diese zwei Änderungen wird es geben:

  1. Wenn Sie mehr als 80 Gigabyte nutzen, sollen für jedes zusätzliche Gigabyte nur noch 10 Dollar fällig werden. Und ab 100 Zusatz-GB statt 4.000 Dollar nur noch 500 Dollar (Sprich dann nur noch 5 Dollar/GB).
  2. Pro Nutzer sollen Ihnen zusätzlich zu den kostenfreien 80 GB noch weitere Kapazitäten zur Verfügung stehen. Wie viel das ist, hängt davon ab, welche Lizenz Sie haben.
    • Bei der Essentials-Variante: 2 GB/Nutzer
    • Bei der Premium-Variante: 3 GB/Nutzer

Änderung Nr. 2 hat wiederum den erfreulichen Effekt, dass die Schwelle, ab der überhaupt zusätzliche Kosten fällig werden, dann deutlich höher liegt. Insbesondere, wenn Sie die Premium-Lizenz besitzen.

Exkurs: Essentials vs. Premium User

Wie unterscheiden sich die beiden User-Lizenzen für Business Central?

    • Essentials: Solide Basis, die alle Kernfunktionen abdeckt

      Diese Anwender-Lizenz eignet sich für Unternehmen, die die Basic-Funktionalitäten für Finanzwesen und Warenwirtschaft benötigen. Dazu gehören Finanzmanagement, SCM und Vertriebssteuerung sowie Dienstleistungen. Das Paket bietet außerdem eine breite Palette von Funktionen, Werkzeugen und Erweiterungen, um die Lösung exakt auf die individuellen Anforderungen auszurichten und Integrationsvorhaben umzusetzen.

    • Premium: Erweiterte Möglichkeiten – auch bei hoher Spezialisierung

      Diese Variante ist auf Unternehmen ausgerichtet, die eine hohe Wachstumsdynamik haben sowie aus dem Kernsegment des Mittelstands kommen und/oder stark spezialisiert sind. Für diese Unternehmen bietet sich die anpassbare Premium-Lösung mit umfangreichen Funktionalitäten an. Denn die liefert – neben den im Essentials enthalten Basics – zusätzlich erweiterte Funktionen für Logistik und Fertigung. Daneben ermöglicht sie noch umfassendere Modifikationen.

Eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Funktionalitäten haben wir für Sie zusammengestellt.

Beispiele aus dem Business Central-Alltag

Damit die künftigen Kostenunterschiede für Sie noch greifbarer werden, lassen Sie uns das gerne einmal anhand von zwei Beispielrechnungen betrachten.

  • Kostenbeispiel Nr. 1

    Stellen Sie sich Folgendes vor: Kunde A verfügt über 30 Business Central-Nutzer und verwendet die Essentials-Version. Benötigt werden insgesamt 130 GB – Das sind 50 GB mehr als die aktuell kostenfreien 80 GB. Somit fallen für den Kunden pro Monat 2.000 Dollar zusätzlich an (50 GB x 40 Dollar).

    In Zukunft stehen ihm neben den 80 GB nochmal 2 GB pro Nutzer ohne Mehrkosten zur Verfügung. Insgesamt kann er somit 140 GB nutzen ohne draufzuzahlen. Die aktuellen Zusatzkosten fallen für ihn künftig vollständig weg.

  • Kostenbeispiel Nr. 2

    Kunde B verwendet die Premium-Version und hat 125 Nutzer, die auf Business Central Zugriff haben. Hier werden 230 GB benötigt – also 150 GB mehr als im „Basic-Paket“ – inbegriffen. Dieser Kunde hat damit monatlich bisher zusätzliche Kosten von 6.000 Dollar (150 GB x 40 Dollar).

    Ab Juli kann er sogar 455 GB ohne Mehrkosten nutzen – da Microsoft ihm für jeden Nutzer nochmal 3 GB bereitstellt. Auch für diesen Kunden entfallen dann die gegenwärtigen Zusatzkosten.

Ihre Daten sind in der Microsoft Cloud sicher aufgehoben

Es gibt gute Gründe, warum Sie die Cloud-Variante von Microsoft trotz möglicher Mehrkosten in Betracht ziehen sollten. Unter anderem den Aspekt, dass Ihre Daten dort sicher verwahrt sind. Denn auch wenn Sie intuitiv davon ausgehen, dass On-Premise aufgrund der physischen Nähe zu Ihrem eigenen Serverraum die sicherere Lösung ist – das muss nicht der Fall sein.

Business Central SaaS: Updates am laufenden Band und neue Rechenzentren

Microsoft legt zudem ein ordentliches Tempo vor, was die Weiterentwicklung von Business Central SaaS angeht:

  1. Es gibt regelmäßig Updates und dadurch immer wieder neue Funktionen.
  2. Die Rechenzentren, in denen Business Central läuft, werden weiter ausgebaut. Wenn Sie neue Umgebungen mit der Region „DE“ einrichten, sollen diese nun nicht mehr in den Niederlanden sondern in „Germany West Central“ in Frankfurt erstellt werden. Demnächst wird auch noch das Rechenzentrum „Germany North“ in Berlin hinzukommen.

Neues SaaS-Preismodell ab 01. Juli ist deutlich nutzerfreundlicher

Übrigens gibt es viele Nutzer, denen tatsächlich gar nicht bewusst ist, dass es Preise pro Datenbankgröße überhaupt gibt. Das liegt daran, dass die meisten Datenbanken der SaaS-/Cloud-Kunden die Schwelle von 80 GB noch gar nicht erreicht haben.

Für diejenigen, die es betrifft, gibt es nach diversen Diskussionen in den Yammer-Foren gute Nachrichten: Ab Juli sind mit dem neuen Preismodell doch wieder große Einsparungen bei Business Central SaaS möglich. Und zwar für User, die große SaaS-Umgebungen (> 80 GB) in Anspruch nehmen. Insbesondere für User mit Premium-Lizenz ergibt sich hierbei der Vorteil, dass je Nutzer zusätzliche Kapazitäten kostenfrei zur Verfügung stehen.

Microsoft hat somit eingeräumt, mit seinen aktuellen Preisstrukturen übers Ziel hinausgeschossen zu sein und hat diesen „Fehler“ recht schnell behoben. Die faireren Preisstrukturen könnten neben den regelmäßigen Updates, der hohen Datensicherheit in der Cloud und dem Ausbau der Rechenzentren ein weiterer Pluspunkt auf dem Weg zu dem ambitionierten Ziel „Weltbeste ERP-Lösung“ sein.